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Mehr Arbeit, mehr Stress?

31.07.2026

KETTWIG: Gewerkschaft sieht Familien unter Druck 
Von Nina van Bevern 

Die Gartenstadt ist ein beliebter Wohnort für Familien. Umso wichtiger ist für viele Eltern eine verlässliche Kinderbetreuung. Doch genau hier sieht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Handlungsbedarf. Sie warnt davor, dass die geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes den Alltag vieler Familien zusätzlich erschweren könnte. 

Nach Angaben der amtlichen Statistik gibt es in Essen für rund 5.360 Kinder unter drei Jahren einen Kitaplatz. Die Betreuungsquote liegt damit bei knapp 34 Prozent. Das sei deutlich zu wenig, kritisiert die NGG Ruhrgebiet. „Vor allem wenn Eltern arbeiten, müssen sie sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder betreut werden“, sagt NGG-Geschäftsführer Martin Mura. Die Gewerkschaft verweist auf eine Studie des Deutschen Jugendinstituts, wonach der tatsächliche Betreuungsbedarf in Nordrhein-Westfalen bei 51 Prozent liegt. Besonders kritisch bewertet die NGG die Pläne der Bundesregierung, den Acht-Stunden-Tag aufzuweichen. 

„Wenn das passiert, dann bricht für Eltern jede Planung bei der Kinderbetreuung zusammen“, warnt Mura. Schon heute seien Kita- und Arbeitszeiten eng aufeinander abgestimmt. Würden Beschäftigte künftig regelmäßig zehn oder sogar zwölf Stunden am Stück arbeiten, werde ein verlässlicher Familienalltag kaum noch möglich. Auch Menschen, die Angehörige pflegen, wären nach Einschätzung der Gewerkschaft betroffen. „Verlässlichkeit ist das A und O“, betont Mura. Längere Arbeitstage seien „Gift für alle, die im Moment alles daransetzen, den Spagat zwischen Job und Familie zu schaffen.“ 

Die NGG verweist außerdem auf Zahlen des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Demnach kümmern sich 51 Prozent der berufstätigen Frauen und 41 Prozent der Männer regelmäßig um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige. Schon heute hätten viele Beschäftigte Schwierigkeiten, Familie und Beruf zeitlich miteinander zu vereinbaren – bei alleinerziehenden Frauen sei die Belastung besonders hoch. Aus Sicht der Gewerkschaft lässt sich auch der Fachkräftemangel nicht durch längere Arbeitstage lösen. „Den Arbeitskräftemangel lösen wir nicht durch längere Arbeitstage, sondern durch bessere Arbeitsbedingungen und mehr Kita-Plätze“, sagt Mura. Zudem steige mit langen Schichten das Risiko für Arbeitsunfälle und gesundheitliche Folgen wie Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Burnout.  

Foto: NGG 

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